Die AfD könnte am Sonntag in Sachsen-Anhalt über 40 Prozent der Stimmen erhalten. Da sie als verfassungsfeindlich eingestuft wird und als Koalitionspartner für die CDU ausscheidet, bleibt für CDU-Ministerpräsident Sven Schulze bei verfehlter absoluter AfD-Mehrheit womöglich nur eine Zusammenarbeit mit der Partei Die Linke, um im Amt zu bleiben. Aber: Eine Koalition oder Kooperation mit den Linken widerspricht grundlegenden Parteitagsbeschlüssen der CDU („Unvereinbarkeitsbeschluss“) sowie ihrer historischen Positionierung gegenüber der SED-Nachfolgepartei.
Und nicht nur das: Bundeskanzler Merz hatte bei der Wahlkampfabschlussveranstaltung der CDU/CSU in München Anfang des letzten Jahres vor »grünen und linken Spinnern« gewarnt und dem rechtskonservativen und jubelnden Publikum versprochen, dass linke Politik in Deutschland vorbei sei.
Es ist also anzunehmen, dass eine Öffnung der CDU nach links, selbst wenn man das hehre Ziel unterstellt, die AfD verhindern zu wollen, die CDU endgültig zerreißen würde.
Da hilft auch kein Verweis auf den ehemaligen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Erwin Teufel, der gesagt haben soll, dass die Interessen des Landes vor den Interessen der Partei stehen sollten.
Nicht nur die CDU könnte es zerreißen, denn schließlich birgt eine Zusammenarbeit zwischen Linken und Konservativen das Risiko, die politischen Profile beider Parteien zu verwässern, den Meinungswettbewerb zu erschweren und Narrativen der AfD (wie dem vom „Altparteienkartell“) Auftrieb zu geben.
Das könnte die AfD noch mehr stärken.
Die Idee der flexiblen Mehrheiten oder das verbleibende Fortführen einer geschäftsführenden Regierung sind in sofern schwierig, da knapp die Hälfte der Sitze an die AfD geht und die Rechtsextremen so die meisten Vorhaben womöglich torpedieren könnten.
Bei dieser Gemengelage ist eine Regierungsbildung fast unmöglich. Zwei Punkte dürften ab Sonntag spannend werden: Erstens, wo die AfD letztendlich mit den Wählerstimmen landet, und zweitens, ob nicht doch ein CDU-Politiker eine Zusammenarbeit mit der AfD vorschlägt. Damit allerdings wäre der Rechtsextremismus in Deutschland endgültig legitimiert.

